29.032012

Zwischen Asphalt und Alma Mater

Der Bonner Jura-Student Luca Ludwig ist auf dem Weg zum Profi-Rennfahrer. Am Wochenende in Oschersleben

BONN. ADAC GT Masters, Langstreckenmeisterschaft Nürburgring (VLN), das 24- Stunden-Rennen – kaum ein Rennfahrer ist in diesem Jahr so gefragt wie der
Bonner Luca Ludwig. Der 23-Jährige wird für das neu gegründete Gemballa-Team aus Frankfurt in der ADAC GT Masters gemeinsam mit Sascha Bert einen 500 PS starken
McLaren MP 4-12 C GT 3 pilotieren.

Mit Ludwig am Volant wird die Truppe auch beim 24-Stunden-Rennen in Spa antreten. In der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring und beim 24-Stunden-Rennen an selber Stelle stellt Ludwig sein Können in Audi-Rennwagen unter Beweis.

„Man muss seinen Tag gut strukturieren. Dann geht das schon“, erklärt Ludwig, der im Motorsport für Furore sorgt und gleichzeitig ein Jura-Studium absolviert. Bisher gelang ihm der Spagat zwischen Asphalt und Alma Mater ausgezeichnet. Während seine Konkurrenten schon in Kindertagen Kartrennen bestritten und sich anschließend in unteren Motorsportkategorien für höhere Aufgaben stählten, konzentrierte sich der hochtalentierte Sprössling von Tourenwagen-Legende Klaus Ludwig zunächst auf sein Abitur.

In den Motorsport stieg Ludwig erst spät ein. Nach ersten Schnupperrennen 2008 auf dem Nürburgring wurde es im Jahr darauf ernst. Der Youngster debütierte in der ADAC GT Masters getreu dem Motto: Ich kam, sah und siegte. Gemeinsam mit Marc Hennerici gewann er auf einer Corvette gleich die Auftaktrennen in Oschersleben und beendete seine erste Saison als Vizemeister, nur knapp geschlagen von dem langjährigen DTM-Piloten Christian Abt.

Das Team aus dem Allgäu war von dem Youngster so angetan, dass es den Bonner für 2010 und 2011 verpflichtete. Es sollte zwar nicht zum Titelgewinn reichen, aber immerhin konnte Ludwig in beiden Jahren bis zum jeweiligen Finale das Titelrennen offen halten. Ende 2011 kehrte die Abt-Truppe der ADAC GT Masters den Rücken, um sich auf die DTM zu konzentrieren.

Früh stand fest, dass die erfolgreiche Kombination Audi /Ludwig 2012 dennoch erhalten bleibt. Die Quattro GmbH – eine Tochterfirma der Ingolstädter – bot ihm Starts bei allen zehn VLN Läufen auf dem Nürburgring und dem 24-Stunden-Rennen an. Ludwig schlug natürlich dankbar ein. Aber auch in der ADAC-Masters erinnerte man sich des Bonners. Als das neu gegründete Gemballa-Team aus Frankfurt für seine McLaren-Sportwagen siegfähige Piloten suchte, fragte man bei Ludwig nach, der sich die Chance nicht entgehen ließ. „Wir haben schon erste Testfahrten absolviert. Für mich ist es äußerst reizvoll, an der Entwicklung eines neuen Fahrzeugs mitzuwirken. Ich glaube, das ich in diesem Jahr sehr viel lernen werde,“ freut sich Ludwig auf die neue Aufgabe.

Ob es in diesem Jahr mit dem Titel klappt, kann er noch nicht einschätzen.
„Das Auto ist neu. Vieles hängt auch von der Einstufung bei der Balance-of-performance
ab.“ Gerade die Maßnahmen zur Angleichung der Fahrzeuge waren in den vergangenen Jahren oft umstritten. Der Saisonauftakt in der ADAC GT Masters findet am Wochenende
in Oschersleben statt. Die Konkurrenz ist noch härter als in den vergangenen Jahren. Alle 44 Startplätze sind vergeben. Zugunsten der ADAC-GT-Masters verzichtet Ludwig auf die Teilnahme am ersten VLN-Lauf auf dem Nürburgring, der am selben Wochenende
stattfindet. Das erste juristische Staatsexamen ist nicht mehr fern, und nach seinem steilen Aufstieg im Motorsport hofft er, dass er in den nächsten Jahren auch noch die letzte Stufe auf der Erfolgsleiter nimmt. „Ich möchte natürlich als Werksfahrer in die DTM und irgendwann den Titel holen.“