21.052013

Mercedes siegt im Wetterkrimi

Luca Ludwig mit Audi beim 24-Stunden-Rennen Neunter. Bester Manthey-Porsche auf Rang sieben

Von Oliver Ermert

NÜRBURGRING. Sonne, Regen, Nebel, eine Rennunterbrechung und am Ende des Tages ein strahlender Bernd Schneider: Der fünffache DTM-Meister konnte im zarten Alter von 48 Jahren endlich das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewinnen. Gemeinsam mit den Wahlmonegassen Jeroen Bleekemolen, Sean Edwards und dem Dänen Nicki Thiim siegte er auf einem Mercedes SLS des Black Falcon Teams. Die Ränge zwei und drei belegten die Mannschaften Maxime Martin, Andrea Piccini,
Yelmer Burmann und Richard Göransson auf einem BMW Z4. Den letzten Podestrang sicherten sich Klaus Graf, Jan Seyffarth, Thomas Jäger und Nico Bastian auf einem
Rowe Mercedes. „Ich muss gar nicht gewinnen. Ich bin zufrieden, wenn ich endlich mal ins Ziel komme“, gab sich „Mr. DTM“ Bernd Schneider im Vorfeld bescheiden. Tatsächlich
hatte der Rekordsieger den Eifelklassiker noch nie beendet. Von Startplatz elf gestartet, drängte er sich in der Anfangsphase auch nicht als Sieger auf. Die ersten Stunden standen ganz im Zeichen des Dreikampfs zwischen Polesetter Frank Stippler auf einem Phoenix-Audi, Pedro Lamy auf dem Aston Martin und Marcel Fässler auf einem weiteren
Audi. Als der lang angekündigte Regen kam, wurde das Feld durcheinandergewirbelt.

Der mittlerweile führende Aston Martin geriet unter Druck der beiden Manthey-Porsche. „Wir hatten das Glück, dass wir nur eine halbe Runde im Regen fahren mussten“,
freute sich Olaf Manthey. Auf der nassen Strecke konnten seine Porsche gehörig Boden gutmachen. Gegen 23 Uhr hatte die Hatz ein jähes Ende, als Rennleiter Walter
Hornung das Rennen wegen der Wassermassen und aufkommenden Nebels unterbrechen ließ. „Du kannst einfach nichts mehr sehen – ich kam mir vor wie die Krabbenfischer auf der Beringsee“, erklärte die zweifache Gesamtsiegerin Sabine Schmitz, die den Frikadelli-Porsche lenkte. Zu diesem Zeitpunkt lagen die späteren Sieger auf dem 13. Rang, zwei Plätze hinter dem Audi von Luca Ludwig. „Im Großen und Ganzen läuft bei uns alles nach Plan“, war der Bonner zufrieden.

Das sollte sich allerdings am nächsten Morgen ändern. Als gegen acht Uhr das Rennen wieder gestartet wurde, musste man feststellen, dass die eigenen Reifen für die Verhältnisse nicht ganz so gut geeignet waren. „Das war heute Dunlop-Wetter“, grämte sich der Bonner. „Auf diesen Gedanken könnte man kommen“ stimmte Olaf Manthey zu, dessen Boliden wie die Audis auf Michelin-Gummis liefen. Aufgrund der geänderten Verhältnisse – unter anderem war die Asphalttemperatur niedriger – hatten auch die MantheyPorsche nicht mehr die Haftung des Vorabends. Dazu gesellte sich ein Schaltproblem, so dass man am Ende mit den Rängen sieben und elf Vorlieb nehmen musste. Aufregung gab es um den ExBonner Marc Hennerici, den aus Burgbrohl stammenden Pierre Kaffer und den Kölner Christopher Brück, die auf zwei Porsche des
Timbuli-Teams gestartet waren. Unglücksrabe Brück kam im Training nach einem Überholmanöver bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke ab. „Wir hätten das Auto
zwar reparieren können. Dann hätten wir aber keine Ersatzteile mehr für das andere Fahrzeug gehabt, so dass wir nur mit einem Auto angetreten sind“, meinte Brück. Das verbliebene Auto flog im Rennen nach knapp viereinhalb Stunden von der Strecke.
Für Furore sorgten die HariboPorsche. Der GT3, der unter anderem von Hans-Guido Riegel pilotiert wurde, belegte einen guten zwölften Rang. Für Begeisterung sorgte die Juniorentruppe, die sich vom 35. Startplatz bis auf den elften Rang vorarbeitete. „Wir haben nicht abgesahnt, wir haben richtig Gas gegeben“, war Mentor Christian Menzel begeistert. Der angestrebte Top-Ten-Platz scheiterte am Ende an einem defekten Wasserschlauch, der zum Ausfall des zweiten Porsche führte.

Nette Anekdote am Rande: Jeroen Bleekemolen von Sieger Mercedes musste die Eifel nach seinem letzten Einsatz schnellstmöglich verlassen. Seine Frau brachte während des Rennens Zwillinge zur Welt.