21.032012

Den eigenen Weg gehen

Luca Ludwig, Sohn von Tourenwagenkönig Klaus Ludwig, hofft als Rennfahrer auf Erfolge

BONN. Das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ist ein Spektakel und gehört zu den attraktivsten und schwierigsten Rennen im Tourenwagensport. Die „Grüne Hölle“ ist eine Herausforderung für jeden Rennfahrer. Dieser Herausforderung stellt sich am Wochenende bei der Neuauflage des Langstrecken-Klassikers (Start am Samstag um 16 Uhr) auch ein junger Bonner, der gerade erst am Anfang seiner Karriere steht: Luca Ludwig.

Der 20-Jährige tritt in die großen Fußstapfen seines berühmten Vaters Klaus Ludwig. Der heute 59-Jährige hat im Tourenwagensport alle bedeutenden Rennen und Titel gewonnen – von der deutschen Rennsportmeisterschaft über die deutsche Tourenwagenmeisterschaft bis hin zu den 24 Stunden von LeMans. Was beide
verbindet, sind aber nicht nur die Gene und die Leidenschaft Motorsport. Wie Klaus Ludwig Anfang der 70-er Jahre kann auch Sohn Luca auf die Unterstützung des General-Anzeigers in Person von Verleger Hermann Neusser bauen. Damals war es der inzwischen verstorbene Hermann Neusser senior, heute ist es Hermann Neusser
junior. „Als ich hörte, dass Luca seine Karriere beginnt, dachte ich mir: Das wäre
doch was, ihn so zu unterstützen wie es der General-Anzeiger auch bei seinem Vater getan hat“, erzählt Hermann Neusser.

Wie früher beispielsweise auf Klaus Ludwigs Ford Capri prangt nun auf dem unter anderem von Sohn Luca pilotierten BMW Z 4 des Dörr Motorsport-Teams das
General-Anzeiger-Logo. „Ich bin stolz, dass ich diese Tradition fortsetzen kann“, sagt Luca Ludwig. Eine Tradition, die sich aus der engen Freundschaft der Familien Neusser und Ludwig entwickelt hat. „Klaus und ich kennen uns seit 1960.Wir sind zusammen aufs
Friedrich-Ebert-Gymnasium gegangen. Seitdem verbindet uns eine lange Freundschaft. Wir sind wie Brüder aufgewachsen“, berichtet Hermann Neusser. Und Klaus Ludwig erinnert sich an die vielen gemeinsamen Urlaube oder die samstäglichen Bootsfahrten auf dem Rhein. Auf einer dieser Bootsfahrten hatte ihm Hermann Neusser senior 1972 die Unterstützung für seine Rennfahrer-Karriere zugesagt.

Nun also Luca Ludwig, der in Sachen Motorsport eigentlich eine Art Spätzünder ist, das aber mit Bedacht. „Ich habe mich zuerst auf die Schule und mein Abitur konzentriert“,
erzählt er. Darüber hinaus habe er sich als 15- oder 16-Jähriger noch nicht reif genug
gefühlt. Er räumt ein, dass der große Schatten seines erfolgreichen Vaters dabei eine Rolle gespielt hat. „Damals hatte ich immer Angst zu verlieren“, blickt er zurück.
Dabei hat er das Talent zweifelsohne geerbt. Als Sechsjähriger saß er erstmals in einem Gokart und hat damit in den folgenden Jahren immer wieder trainiert. „Da habe ich schon gesehen, das kann was werden. Er ist Linien gefahren, da habe ich mich gefragt, wie
geht das“, erinnert sich Vater Ludwig und hätte sich gewünscht, Luca wäre schon früher seinem Beispiel gefolgt. „Aber er wollte ja nicht.“

Kein Wunder, dass er nun voll hinter dessen Entscheidung steht, sein Glück als Rennfahrer zu versuchen. Mutter Marion war dagegen weniger begeistert. „Oh, Gott,
geht das schon wieder los“, sagte sie laut Luca Ludwig. „Aber inzwischen freut sie sich für mich und unterstützt mich.“ Erst vor zehn Monaten hat Luca Ludwig zum ersten Mal in einem Rennauto gesessen. „Von da an ist es schlagartig nach oben gegangen, und ich habe gleich Rennen gewonnen.“ In der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring
feierte er im BMW Z 4 zwei Klassensiege, und auch in den ADAC GT Masters war er zusammen mit Partner Marc Hennerici mit einer 550 PS starken Corvette schon zweimal erfolgreich.

Beide studieren in Bonn – Ludwig Jura, Hennerici Volkswirtschaft. Zum Einstieg in die anspruchsvolle GT-Masters-Serie,wo die Autos mitunter mehr PS als in der DTM haben, riet Vater Ludwig: „Das war riskant.Aber es hat funktioniert.“ Auch weil Luca neben
dem Talent auszeichne, „mit dem Kopf zu fahren.“ Gleichwohl weiß Luca Ludwig, dass er noch viel Nachholbedarf hat und baut dabei auch auf wertvolle Tipps seines Vaters, der alle bedeutenden Rennstrecken wie aus dem Effeff kennt. „Aber wenn ich einmal im
Auto sitze, muss ich alleine fahren“, sagt er. Einen Traum oder große Vorbilder außer seinem Vater, habe er nicht. Er versuche, seinen eigenen Weg zu finden. „Ich will als Luca Ludwig wahrgenommen werden, nicht als Sohn von Klaus Ludwig“, hat er sich selbstbewusst vorgenommen.

Dabei bleibt er mit beiden Füßen auf dem Boden. „Innerhalb der nächsten beiden Jahre muss sich entscheiden, wohin mein Weg geht“, blickt er voraus. Das Studium
werde erst einmal ein wenig leiden. Seinen ersten Einsatz beim 24-Stunden-Rennen erwartet er mit großer Spannung. „Ich bin vor den Rennen immer unglaublich nervös“, bekennt er. Derweil sorgt sich Klaus Ludwig um die Nachtrunden auf der berüchtigten
Nordschleife. „Ich gehe davon aus, dass dann die alten Hasen fahren und Luca allenfalls in der Dämmerung zum Einsatz kommt.“